STS-Medienmitteilung: Zirkus von vorgestern Basel, 19. Juli 2016 Medienmitteilung Schweizer Tierschutz STS STS-Zirkusbericht 2016 ZIRKUS VON VORGESTERN ================= (Lead) Was jedem Zoo eine Anzeige wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz einbr�chte, ist in der Schweiz den Zirkussen erlaubt. Auf ihrer diesj�hrigen Tournee stellen die Zirkusse Royal und Gasser-Olympia GO L�wen in beengter, artwidriger Haltung zu Schau - mit dem Segen der Beh�rden. Der Schweizer Tierschutz STS fordert ein Ende der widersinnigen, skandal�sen gesetzlichen Sonderregelungen f�r Zirkusse. --------------------------------- (Text) Gehege von Tieren, die in einer Manege besch�ftigt werden, d�rfen die gesetzlichen Mindestfl�chen um mehr als 30% unterschreiten. Den f�nf L�wen des Circus GO - denen die Tierschutzverordnung bescheidene 140 m� Auslauf zugesteht - darf der Zirkus an einzelnen Standorten auch nur 52 m� zur Verf�gung stellen. Zirkusse k�nnen Grosskatzen also �tierschutzkonform� halten, ohne eine artgerechte Haltung zu gew�hrleisten. Damit steht die Schweiz heute ziemlich alleine da: 19 L�nder Europas regeln bereits per Gesetz, welche Tierarten von Zirkussen �berhaupt noch mitgef�hrt werden d�rfen. Nicht tiergerecht Eine einigermassen �artgerechte� Haltung von f�nf L�wen - wie sie der Circus GO mit sich f�hrt - heisst aus Tierschutzsicht: Ein Gehege mit mindestens 1'500 m� Fl�che, mit erh�htem Terrain, Liegefelsen und Besch�ftigung durch Futtersuche. Bei verschiedenen Besuchen vor Ort fand der Schweizer Tierschutz STS bei Gasser-Olympia Tiere vor, die stundenlang auf einer Fl�che von nur 8m� eingesperrt waren. Der Auslauf konnte nicht permanent genutzt werden und die gesetzlich vorgeschriebene Futterbesch�ftigung gab es nicht. Die Erteilung der Tourneebewilligung durch das Veterin�ramt des Kantons Baselland erscheint unter diesen Voraussetzungen unverst�ndlich und befremdlich. T�glicher Spiessrutenlauf W�hrend der Auftritte im Zirkuszelt sitzen die L�wen bei Circus GO und Circus Royal die meiste Zeit auf Podesten, absolvieren einige Spr�nge oder rollen sich am Boden. Es ist offensichtlich, dass von den pr�sentierten Tieren jeweils nur ein, zwei Individuen die N�he des Dompteurs wirklich tolerieren - die �brigen L�wen sind Kulisse. F�r sie d�rften die Auftritte in der Manege keine bereichernde Besch�ftigung sondern bestenfalls schale Routine sein - schlimmstenfalls ein t�glicher Spiessrutenlauf vor Publikum. Fehlgepr�gte Pension�re In der Diskussion um die �Artgerechtigkeit� der Tierhaltung geht gerne vergessen, dass Wildtierhaltung im Zirkus verbunden ist mit einer ganzen Reihe weiterer Tierschutzprobleme. Ausgehend davon, dass Zirkusse junge, gesunde Tiere f�r ihre Spektakel brauchen - und damit einem dubiosen Wildtierhandel Vorschub leisten - stellt sich die Frage, was mit den �lteren Zirkusl�wen geschehen soll. Wo diese in Anbetracht der Platznot bei der Unterbringung zahmer, �pensionierter� Grosskatzen, ihren Lebensabend verbringen k�nnen, bleibt oftmals ungewiss. Verhaltenprobleme durch fr�he Trennung vom Muttertier, Handaufzucht und die (Fehl-)Pr�gung auf den Menschen als Sozialpartner kommen hinzu. L�wen geh�ren nicht in den Zirkus Unabh�ngig davon, ob ein einzelner Zirkus seine Tiere mehr oder weniger gut h�lt bleibt die Zurschaustellung von Grosskatzen und von anderen Wildtieren in Zirkussen ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Der STS ist dezidiert der Meinung, dass die derzeitigen gesetzlichen Grundlagen in der Schweiz nicht gen�gen, um eine tiergerechte Haltung zu gew�hrleisten und dass gewisse Tierarten f�r das Mitf�hren und die Pr�sentation in einem Zirkus nicht mehr in Frage kommen d�rften. Eine 2015 von Nationalr�tin Isabelle Chevalley (GLP/VD) eingereichte Motion* fordert denn auch die Listung von Tierarten, die f�r Zirkusse verboten sein sollen. Der STS wird sich konsequent f�r die Annahme der Motion Chevalley durch das Parlament einsetzen. * 15.3296 - Motion: Festlegung der in Zirkussen zul�ssigen Tierarten Mehr Information --------------------------------- STS-Zirkusbericht 2016 online unter archiv.tierschutz.com/zirkusbericht Bildmaterial --------------------------------- Bildmaterial zum Download unter www.flickr.com/photos/schweizertierschutz F�r R�ckfragen --------------------------------- Sara Wehrli, Fachstelle Wildtiere Schweizer Tierschutz STS, Telefon 076 345 14 48 STS-Medienmitteilungen online --------------------------------- archiv.tierschutz.com/media/news.html Absender --------------------------------- Schweizer Tierschutz STS Dornacherstrasse 101, Postfach 4018 Basel Telefon 061 365 99 99 archiv.tierschutz.com sts@tierschutz.com