Kür der Kühe
An drei Viehausstellungen dokumentierte der Schweizer Tierschutz STS zwischen Januar und März 2018 Kühe mit manipulierten, völlig überladenen, schmerzhaften Eutern. Dies trotz einschlägiger Tierschutzbestimmungen und trotz von der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) neu eingeführten Euterödem-Kontrollen mittels Ultraschall. Der STS fordert strengere Kontrollen und konsequentere Sanktionen der fehlbaren Züchter. Aussteller und Organisatoren ruft der STS auf, die Ausstellungstiere blockweise zu melken, um so die schmerzhaften Rieseneuter zu vermeiden und gleich lange Spiesse für alle Züchter zu schaffen.
Schaufenster der Milchvieh-Hochleistungszucht
Verschiedene nationale und internationale Viehschauen verlieren zunehmend ihren
traditionellen, volkstümlichen Charakter und werden stattdessen zu einem
hochdotierten, prestige- und finanzträchtigen Schaufenster der einseitigen
Milchvieh-Hochleistungszucht. Seit drei Jahren zeigt der STS auf, wie entgegen
den gesetzlichen Vorschriften, teilweise Kühe mit manipulierten, völlig
überladenen und schmerzhaften Eutern präsentiert werden und diese dennoch oft
die vordersten Plätze belegen. Obwohl die Milchleistung jedes einzelnen Tieres
umfassend dokumentiert wird und aus Katalogen und von Informationstafeln
abgelesen werden kann, sind diese Show-Wettbewerbe nach dem Motto «je voller das
Euter desto besser die Leistung» ausgerichtet. Selbst die Richter zeigen sich
bei den Bewertungen häufig auf die riesigen, präparierten Euter fixiert und
unterstützen mit ihren Prämierungen die fragwürdigen Manipulationen der Züchter.
Tropfdicht verklebt und aufgehübscht
Auch in diesem Jahr beobachteten Fachpersonen des Schweizer Tierschutz STS an
den besuchten, hochkarätigen Viehschauen, wie Kühe stundenlang, teils gar weit
über ein Melkintervall hinweg, ungemolken und tropfdicht mit verklebten Zitzen
im Ring präsentiert wurden. Von Stylisten wurden die Kühe mit Spray, Lack,
Creme, Gel, Öl, Schermaschine, Klebstoff und Föhn umfassend «aufgehübscht». Dazu
wurden die Tiere über längere Zeit überstreckt in unnatürlicher Körperhaltung
fixiert. Ferner wurden die Kühe komplett geschoren und empfindliche
Körperbereiche wurden rasiert, obwohl dem Tier so das gegen Witterungseinflüsse
und Insekten schützende Fell fehlt. Und ihnen wurden am Kopf die wichtigen
Tasthaare abgeschnitten.
Offensichtlich greifen Kontrollen und Sanktionen nicht. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es bei verschiedenen Richtern und Züchtern an der nötigen Einsicht fehlt.